Abschnittsübersicht

    • Titelbild

      Created by Prof. Dr. Silke Härteis und Prof. Dr. med. Thiha Aung ©2026

    • Abstract

      Die perioperative Patientenversorgung erfordert fundierte Kenntnisse medizinischer, organisatorischer und hygienischer Abläufe im operativen Umfeld. Der Kurs Perioperative Medizin vermittelt praxisnahes Wissen für eine sichere und effektive Betreuung von Patientinnen und Patienten und bereitet die Teilnehmenden umfassend auf die Herausforderungen der perioperativen Versorgung vor. Er behandelt die Abläufe vor, während und nach operativen Eingriffen und berücksichtigt neben den grundlegenden medizinischen und organisatorischen Prozessen auch spezielle Aspekte der perioperativen Versorgung. Als Blended-Learning-Format wurde der Kurs primär für Studierende der Humanmedizin und des Physician-Assistant-Studiengangs konzipiert, um eine strukturierte und praxisorientierte Einführung zu ermöglichen.

      Das mediendidaktische Konzept kombiniert textbasierte Skripte, Lehrvideos und interaktive Lernformate. Während Skripte die theoretischen Grundlagen vermitteln, veranschaulichen Lehrvideos praktische Abläufe wie steriles Einwaschen. Interaktive Elemente, darunter Zuordnungsaufgaben und Multiple-Choice-Fragen, fördern die aktive Wissensaneignung und kontinuierliche Lernzielkontrolle.

      Die Inhalte orientieren sich an aktuellen Leitlinien, darunter ERAS-Konzepte und die WHO-Sicherheitscheckliste, und schaffen so eine evidenzbasierte, praxisorientierte Lernumgebung zur Förderung klinischer Handlungskompetenz in der perioperativen Medizin.

      Gliederung

      Modul 1: Einführung

      • 1. Definition Bedeutung Ziele der perioperativen Medizin
        • a. Verbesserung der Patientensicherheit und -versorgung
        • b. Reduktion perioperativer Risiken und Komplikationen
      • 2. Überblick über den perioperativen Verlauf
        • a. Phasen: Präoperative, intraoperative und postoperative Betreuung
        • b. Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit
      • 3. Interprofessionelle Zusammenarbeit (Chirurgie, Anästhesie, Intensivmedizin)
        • a. Rollen und Aufgaben der verschiedenen Fachbereiche
        • b. Kommunikation und Koordination im Behandlungsteam

      Modul 2: Präoperative Phase

      • 1. Anamnese und klinische Untersuchung
        • a. Erhebung der Krankengeschichte und relevanter Begleiterkrankungen
        • b. Spezifische Risikofaktoren: Kardiovaskuläre, pulmonale und metabolische Risiken
      • 2. Präoperative Risikobewertung
        • a. ASA-Klassifikation zur Einschätzung der Narkosefähigkeit
        • b. Kardiale und pulmonale Evaluierung (EKG, Lungenfunktionstest)
      • 3. Präoperative Diagnostik
        • a. Indikationen für Laboruntersuchungen (Blutbild, Gerinnung, Nierenwerte)
        • b. Bildgebende Verfahren (Röntgen, CT, MRT)
      • 4. Aufklärung des Patienten und Medikamentenanpassung
        • a. Informierte Einwilligung und ethisch-rechtliche Grundlagen
        • b. Anpassung der Medikation (Antikoagulantien, Antihypertensiva, Insulin)

      Modul 3: Intraoperative Phase

      • 1. Anästhesiologische Grundlagen
        • a. Anästhesieverfahren (Allgemein-, Regional-, Lokalanästhesie)
        • b. Indikationen, Vorteile und Risiken der Verfahren
        • c. Pharmakologie der wichtigsten Anästhetika und Analgetika
      • 2. Überwachung des Patienten
        • a. Vitalparameter: Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung
        • b. Beatmungsformen: Intubation, Maskenbeatmung, Spontanatmung
        • c. Kreislaufüberwachung und Management akuter Zwischenfälle
      • 3. Management von Komplikationen
        • a. Anaphylaxie, Blutdruckentgleisungen, Herz-Kreislauf-Stillstand
        • b. Umgang mit intraoperativen Blutungen
        • c. Intraoperative Patientenbetreuung
        • d. Lagerung des Patienten zur Druckstellenvermeidung
        • e. Temperaturmanagement zur Hypothermieprophylaxe
        • f. Flüssigkeitsmanagement: Infusionstherapie und Blutersatz
        • g. Einsatz von Maschinen und Technologien
      • 4. Verhalten im OP
        • a. OP-Hygiene und Sterilität: korrekte Händedesinfektion, sterile Bekleidung
        • b. Kommunikation im OP-Bereich: klare Anweisungen, Checklisten
        • c. Zusammenarbeit im OP-Team: Team-Time-Out, Rollenverteilung

      Modul 4: Postoperative Phase

      • 1. Aufwachraum-Management und Überwachung
        • a. Kriterien für die Verlegung auf Station oder Intensivstation
        • b. Überwachung der Vitalzeichen, neurologischer Status
      • 2. Schmerztherapie und postoperative Analgesie
        • a. Multimodale Schmerztherapie: Opioide, NSAR, Lokalanästhetika
        • b. PCA (Patient Controlled Analgesia) und regionale Verfahren
      • 3. Erkennung und Management von Komplikationen
        • a. PONV (postoperative Übelkeit und Erbrechen)
        • b. Infektionen, Nachblutungen, Kreislauf- und Atemprobleme
      • 4. Mobilisation, Thromboseprophylaxe und Rehabilitation
        • a. Bedeutung der frühzeitigen Mobilisation für die Genesung
        • b. Pharmakologische und mechanische Thromboseprophylaxe
        • c. Ernährung und physiotherapeutische Maßnahmen zur Rehabilitation

      Modul 5: Spezielle Aspekte

      • 1. Kinder in der perioperativen Medizin
        • a. Besondere anatomische und physiologische Unterschiede
        • b. Kindgerechte Anästhesie- und Schmerztherapiekonzepte
      • 2. Perioperative Versorgung geriatrischer und multimorbider Patienten
        • a. Polypharmazie und altersbedingte Veränderungen
        • b. Frailty-Screening und angepasste Therapieansätze
      • 3. Patienten mit chronischen Erkrankungen
        • a. Diabetes, Niereninsuffizienz, COPD und deren perioperative Betreuung
        • b. Anpassung von Medikation und Monitoring
      • 4. Ethik und rechtliche Grundlagen
        • a. Patientenverfügungen, Einwilligungsfähigkeit und Aufklärung
        • b. Datenschutz und Dokumentation im OP-Bereich
      • 5. ERAS-Konzepte (Enhanced Recovery After Surgery)
        • a. Optimierung der präoperativen Vorbereitung
        • b. Reduzierung des perioperativen Stresses
        • c. Frühe Mobilisation und individualisierte Schmerztherapie

      Modul 6: Abschlussprüfung und Zertifikat für bestandenen Kurs

      Detaillierter Inhalt

      Ziel des Lehrkurses ist es, Studierenden ein fundiertes Verständnis zentraler Aspekte der perioperativen Medizin zu vermitteln und sie zu befähigen, dieses Wissen im klinischen Kontext anzuwenden.

      Nach Abschluss des Kurses können die Studierenden:

      1. Eine strukturierte präoperative Patientenbeurteilung durchführen und relevante klinische Informationen für die perioperative Risikoeinschätzung berücksichtigen.
      2. Perioperative Risikofaktoren identifizieren und bewerten, einschließlich der Einschätzung des kardiovaskulären und pulmonalen Risikos sowie der Einordnung nach der ASA-Klassifikation.
      3. Anästhesieverfahren und intraoperative Überwachung erklären, einschließlich Indikationen, Risiken sowie grundlegender pharmakologischer Prinzipien wichtiger Anästhetika und Analgetika.
      4. Die Rollen und Aufgaben im OP-Team beschreiben und die Bedeutung interprofessioneller Zusammenarbeit und Kommunikation erläutern.
      5. Grundlegende Hygienestandards im Operationsbereich erklären und deren Bedeutung für Infektionsprävention und Patientensicherheit darstellen.
      6. Häufige postoperative Komplikationen erkennen und grundlegende Behandlungsprinzipien erläutern, einschließlich Schmerztherapie und früher Mobilisation.
      7. Moderne Konzepte der perioperativen Medizin einordnen, insbesondere Prinzipien des „Enhanced Recovery After Surgery“ (ERAS)-Konzepts.

      Organisatorisches

      Autoren:
      Prof. Dr. Silke Härteis
      Prof. Dr. Thiha Aung


      Kontaktadresse bei Fragen:
      Prof. Dr. Thiha Aung - thiha.aung@th-deg.de
      Prof. Dr. Silke Härteis - silke.haerteis@ur.de


      Die Teilnahme an diesem Kurs entspricht einem Arbeitsaufwand von 3 ECTS Punkten.
      Es steht Ihnen folgende Prüfungsform zur Auswahl:

      • Online-Abschlussprüfung


      Voraussetzung zum Erbringen des Teilnahmenachweises:

      • Erfolgreiches Bestehen der Online-Fragen innerhalb der jeweiligen Kapitel
      • Erfolgreiches Bestehen der Online-Abschlussprüfung (mind. 60 % richtig) bzw. der schriftlichen Prüfung

      Leistungsnachweis (Zertifikat per E-Mail)


      Partnerhochschulen
      Universität Regensburg
      Technische Hochschule Deggendorf