Gleichberechtigung beginnt bei der Familienplanung: Herausforderungen und Chancen für Eltern
Schwangerschaft und Elternschaft bringen für viele Familien große Herausforderungen mit sich – vor allem, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht. In Deutschland ist die Verteilung der Care-Arbeit nach wie vor ungleich: Ein Großteil der unbezahlten Sorgearbeit wird von Müttern übernommen.
Maßnahmen wie Elternzeit für Väter oder Modelle der 50/50-Elternschaft bieten Ansätze für mehr Gleichberechtigung in der Aufgabenteilung. Doch auch hier zeigen sich gesellschaftliche Hürden: Viele Männer berichten, dass sie bei der Inanspruchnahme von Elternzeit auf Unverständnis oder sogar Benachteiligung am Arbeitsplatz stoßen.
Umgekehrt stoßen Frauen, die sich bewusst gegen ein Kind entscheiden, häufig auf Unverständnis im sozialen Umfeld – als müsse Mutterschaft zum weiblichen Lebensentwurf gehören.
Diese Beispiele zeigen: Gleichstellung in Familie und Beruf beginnt nicht erst nach der Geburt – sondern mit einer offenen, respektvollen Haltung gegenüber individuellen Lebensentscheidungen
Ungewollte Kinderlosigkeit - Ein unterschätztes gesellschaftliches Thema
Laut der Studie „Ungewollte Kinderlosigkeit 2020“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ist ungewollte Kinderlosigkeit kein Randphänomen, sondern betrifft viele Menschen in Deutschland. Die Untersuchung zeigt, dass zahlreiche Frauen und Männer mit einem unerfüllten Kinderwunsch konfrontiert sind und dabei oft auf Informationsdefizite und mangelnde Unterstützung stoßen.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der hohe Informationsbedarf hinsichtlich der Fruchtbarkeit und der Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin. Viele Betroffene verfügen über unzureichendes Wissen über die Veränderungen der Fruchtbarkeit im Lebensverlauf und die Ursachen eingeschränkter Fruchtbarkeit. Dies führt dazu, dass medizinische Untersuchungen und Beratungen häufig erst spät in Anspruch genommen werden.
Die Studie betont die Notwendigkeit, frühzeitig über Fruchtbarkeit und reproduktive Gesundheit aufzuklären sowie Unterstützungsangebote bekannter zu machen. Ziel ist es, betroffene Paare besser zu informieren und ihnen Mut zu machen, sich mit ihrem Kinderwunsch auseinanderzusetzen und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Elternschaft im Wandel - Herausforderungen und Chancen für Familien in Deutschland
Dem Bericht „Eltern sein in Deutschland“ zufolge, der als Neunter Familienbericht vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlicht wurde, stehen Eltern in Deutschland vor vielfältigen Herausforderungen. Der Bericht beleuchtet die gesellschaftlichen Trends, die das Familienleben prägen, und gibt Empfehlungen für eine wirksame Familienpolitik.
Eltern sehen sich mit steigenden Anforderungen konfrontiert, darunter die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Förderung ihrer Kinder und die Bewältigung komplexer Familienstrukturen. Der Bericht betont die Notwendigkeit, Eltern durch flexible Arbeitszeitmodelle, hochwertige Kinderbetreuung und gezielte Unterstützungsangebote zu entlasten. Zudem wird die Bedeutung einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung hervorgehoben, um Gleichberechtigung innerhalb der Familie zu fördern.
Die Empfehlungen des Berichts zielen darauf ab, Eltern in ihrer Rolle zu stärken und ihnen die notwendigen Ressourcen bereitzustellen, um den vielfältigen Anforderungen gerecht zu werden. Eine familienfreundliche Politik, die die Bedürfnisse von Eltern berücksichtigt, ist entscheidend für das Wohlbefinden von Familien und die Entwicklung von Kindern in Deutschland.
Alleinerziehende in Deutschland: zwischen Verantwortung und Armutsrisiko
Dem aktuellen Factsheet der Bertelsmann Stiftung zufolge leben in Deutschland 1,7 Millionen alleinerziehende Familien mit minderjährigen Kindern – das entspricht etwa jeder fünften Familie. Acht von zehn Alleinerziehenden sind Frauen, die häufig die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung tragen. Trotz hoher Erwerbsbeteiligung – 71,4 % der alleinerziehenden Mütter und 87,1 % der Väter sind berufstätig – sind 41 % dieser Familien armutsgefährdet. Ein Drittel der Kinder in alleinerziehenden Haushalten erhält Unterhaltsvorschuss, da regelmäßige und vollständige Unterhaltszahlungen oft ausbleiben. Der Bericht betont die Notwendigkeit gezielter politischer Maßnahmen, wie einer verbesserten Kindergrundsicherung, um die finanzielle Situation Alleinerziehender nachhaltig zu verbessern.
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