Was ist Altersdiskriminierung?
Altersdiskriminierung bezeichnet die Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Lebensalters – sei es jung oder alt.
Besonders ältere Menschen erleben im Berufsleben, im Gesundheitswesen oder im Alltag häufig subtilen oder offenen Ausschluss: Sie gelten als weniger belastbar, weniger lernfähig oder nicht mehr „zeitgemäß“. Diese Vorurteile führen nicht nur zu sozialen Ungleichheiten, sondern wirken sich auch negativ auf das Selbstbild und die Lebensqualität der Betroffenen aus. Trotz des demografischen Wandels und der steigenden Lebenserwartung sind altersbedingte Stereotype noch tief in unserer Gesellschaft verankert.
Wie verbreitet Altersdiskriminierung tatäschlich ist und welche konkreten Auswirkungen sie auf Betroffene hat, zeigt die Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Sie verdeutlicht, wie stereotype Annahmen und gesellschaftliche Vorurteile gegenüber älteren Menschen Diskriminierung verstärken.
Studie „Altersbilder und Altersdiskriminierung in Deutschland“
Die Studie „Altersbilder und Altersdiskriminierung in Deutschland“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 2.000 Personen ab 16 Jahren deutlich, wie stark altersbezogene Vorurteile in der Gesellschaft verankert sind: So vertreten 32 % der Befragten die Ansicht, ältere Menschen sollten zugunsten jüngerer Generationen auf wichtige berufliche und gesellschaftliche Rollen verzichten. 51 % sprechen sich für eine Altersgrenze bei politischen Ämtern – etwa bei 70 Jahren – aus. Mehr als die Hälfte (53 %) glaubt, dass ältere Menschen keinen wesentlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Fortschritt leisten, und 40 % sind der Meinung, sie würden die jüngere Generation bei der Bewältigung des Klimawandels im Stich lassen. Diese Einschätzungen verdeutlichen, wie tiefgreifend stereotype Altersbilder – so die Antidiskriminierungsstelle des Bundes – Diskriminierung begünstigen und das generationenübergreifende Miteinander belasten können.
Nie das richtige Alter?
Wie Altersbilder Frauen auf dem Karriereweg ausbremsen
Ein Bewerbungsgespräch, wie es viele Frauen kennen: Die Qualifikation stimmt, der Lebenslauf ist überzeugend – doch plötzlich kommt eine Frage wie aus dem Nichts: „Wie sieht es eigentlich mit der Familienplanung aus?“ Eine Frage, die Männern so gut wie nie gestellt wird – und die auf eine tief verwurzelte Erwartungshaltung verweist: Frauen könnten ja ausfallen. Sie könnten schwanger werden, fehlen, nicht „verlässlich“ sein. Kaum sind die Kinder da, gelten sie als zu unflexibel. Und wenn sie nach Jahren der Familienarbeit wieder beruflich einsteigen wollen, dann heißt es plötzlich: zu alt.
Diese strukturellen Benachteiligungen und stereotype Altersbilder
gegenüber Frauen hat die AllBright Stiftung in ihrer
Analyse„Einer der größten Karrierekiller für Frauen: Ihr Alter. Egal,welches“ aus 2024, genauer untersucht.
In ihrem Bericht zeigt die
Stiftung, wie stark das Lebensalter – unabhängig von der
tatsächlichen Qualifikation oder Erfahrung – zur Karrierebremse für Frauen wird. Besonders kritisch: Es ist nicht das Alter selbst, das Frauen
zurückhält, sondern die gesellschaftlichen Zuschreibungen, die in jeder
Lebensphase neue Hürden aufbauen.
Laut der Stiftung zählt das Alter inzwischen zu den größten
Karrierekillern für Frauen – ganz gleich, ob sie 30 oder 55 sind. In jungen
Jahren gelten sie als unerfahren, in der Familienphase als unzuverlässig, und
später als nicht mehr „entwicklungsfähig“. Dabei ist gerade die Lebensmitte –
zwischen 45 und 55 – für viele Männer das Sprungbrett in die Vorstandsetage.
Frauen hingegen werden in diesem Alter oft übersehen.
Die Ursache liegt nicht im fehlenden Können,
sondern in festgefahrenen Bildern davon, wie Karrieren aussehen sollen – und
wer als „führungsfähig“ gilt.
Die Stiftung plädiert deshalb klar für mehr Flexibilität auf
Karrierewegen und eine Arbeitswelt, in der Kompetenz und Erfahrung mehr
zählen als Annahmen und Vorurteile.
Altersdiskriminierung und was SIE dagegen tun können!
Altersdiskriminierung zu bekämpfen erfordert ein bewusstes Umdenken auf individueller, gesellschaftlicher und institutioneller Ebene. Konkret bedeutet das:
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Stereotype hinterfragen: Altersbezogene Vorurteile – wie die Annahme, ältere Menschen seien weniger leistungsfähig oder innovationsfreudig – müssen erkannt, reflektiert und aktiv hinterfragt werden.
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Dialog fördern: Der generationenübergreifende Austausch sollte gestärkt werden, um gegenseitiges Verständnis und Respekt zu fördern.
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Repräsentation stärken: Ältere Menschen sollten in Medien, Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit realitätsnah und vielfältig dargestellt werden.
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Rechte stärken: Diskriminierungsschutz aufgrund des Alters muss rechtlich und gesellschaftlich sichtbarer werden – z. B. durch eine Aufnahme des Merkmals „Alter“ ins Grundgesetz, wie von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes vorgeschlagen.
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Weiterbildung ermöglichen: Lebenslanges Lernen muss gefördert und für alle Altersgruppen zugänglich gemacht werden.
Zu jung? zu alt? Nicht an der THD!
Was die THD gegen Altersdiskriminierung tut
Die Technische Hochschule Deggendorf (THD) setzt sich aktiv für ein faires, wertschätzendes und altersdiverses Umfeld ein – für Studierende, Lehrende und Mitarbeitende gleichermaßen. Altersdiskriminierung wird an der THD nicht ignoriert, sondern gezielt thematisiert und bekämpft. Altersvielfalt wird dabei als Chance verstanden – denn verschiedene Perspektiven und Lebensphasen bereichern unsere Hochschulgemeinschaft nachhaltig.
Konkret engagiert sich die THD durch folgende Maßnahmen:
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Altersvielfalt sichtbar machen: An der THD werden Studieninteressierte, Studierende, Mitarbeitende und Lehrende jeden Alters in ihrer jeweiligen Lebenssituation ernst genommen und als gleichwertiger Teil der akademischen Gemeinschaft anerkannt.
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Studienbedingungen flexibel gestalten: Durch Teilzeitstudiengänge, digitale Angebote, familienfreundliche Maßnahmen und individuelle Beratungsformate unterstützt die THD insbesondere ältere oder nicht-traditionelle Studierende auf ihrem Bildungsweg.
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Sensibilisierung und Fortbildung: Schulungen zu Altersdiversität, intersektionaler Diskriminierung und inklusiver Lehre tragen dazu bei, dass Lehrende, Führungskräfte und Verwaltungsmitarbeitende altersbezogene Vorurteile erkennen und abbauen können.
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Datengrundlagen schaffen: Mit regelmäßigen Erhebungen zur Altersstruktur und zu Diskriminierungserfahrungen leistet die THD eine wichtige Grundlage für faktenbasierte, gezielte Gleichstellungsmaßnahmen.
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Gleichstellungsarbeit mitdenken: Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der THD spielen eine zentrale Rolle in der Bekämpfung von Altersdiskriminierung – insbesondere im Hinblick auf Mehrfachdiskriminierung, von der ältere Frauen besonders betroffen sein können. Sie integrieren das Thema systematisch in ihre Arbeit und setzen wichtige Impulse für eine gerechtere Hochschulstruktur.
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Generationen verbinden: Durch intergenerationelle Austauschformate, Mentoringprogramme und Netzwerkangebote wird der Dialog zwischen Jung und Alt gestärkt – für mehr gegenseitiges Verständnis, Respekt und Kooperation.
Unser Appell: Altersdiskriminierung betrifft uns alle – unabhängig von Geschlecht oder Funktion. Ob als Studierende, Lehrende oder Mitarbeitende: Lassen Sie uns gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die THD lebt von ihrer Vielfalt – und es ist an uns allen, diese Vielfalt auch im Hinblick auf das Alter aktiv zu fördern und zu schützen.
Altersdiskriminierung - Weiterführende Informationen
Altersdiskriminierung betrifft weitaus mehr Lebensbereiche, als vielen bewusst ist – von der Arbeitswelt über das Gesundheitswesen bis hin zur gesellschaftlichen Teilhabe.
Faslls Sie sich intensiver mit den Ursachen, Auswirkungen und Handlungsmöglichkeiten auseinandersetzen möchten, finden Sie in den folgenden Materialien fundierte Informationen, aktuelle Studien und praxisnahe Ansätze.