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    #gendernhilft 
    #genderstereotype

    • Unbewusst unfair - wie Vorurteile unser Handeln steuern 

      Unconscious Bias – also unbewusste Vorurteile – sind automatische Denkmuster, die auf Stereotypen und persönlichen Voreingenommenheiten beruhen. Sie beeinflussen unsere Wahrnehmung, unser Verhalten und unsere Entscheidungen – oft, ohne dass wir es merken.

      Diese inneren Reflexe entstehen durch gesellschaftliche Prägung und individuelle Erfahrungen. Sie wirken in vielen Lebensbereichen, etwa am Arbeitsplatz, in der Schule oder im Gesundheitswesen – und können dort ungewollt zu Benachteiligung oder Diskriminierung führen.

      Deshalb ist es entscheidend, sich dieser unbewussten Muster bewusst zu werden. Sensibilisierungsangebote und Schulungen helfen dabei, Vorurteile zu erkennen, zu hinterfragen und langfristig abzubauen – für mehr Fairness, Offenheit und Chancengleichheit im Alltag.



      „Sie sind doch nicht der Arzt?“ – Wie unbewusste Vorurteile Kompetenz verzerren

      Ein männlicher Pfleger betritt das Patientenzimmer, stellt sich freundlich vor und beginnt mit der Untersuchung. Der Patient blickt ihn überrascht an und fragt:„Wie, Sie sind nicht der Arzt?“

      Wenige Türen weiter erklärt eine junge Ärztin einem Patienten sorgfältig den Ablauf einer Behandlung. Er hört zu – und fragt anschließend:
      „Und wann kommt der Arzt?“

      Solche Situationen wirken auf den ersten Blick banal, allerdings sind sie tatsächlich Ausdruck von unconscious bias – also unbewussten Denkmustern, die auf Geschlechterrollen und Stereotypen beruhen. Diese automatischen Annahmen beeinflussen, wen wir in welcher Rolle erwarten: Den Arzt als männlich, souverän, führend. Die Pflegekraft als weiblich, hilfsbereit, untergeordnet, daher müssen Ärztinnen sich oft erst beweisen, bevor man ihnen Fachkompetenz zutraut.

      Diese unbewussten Vorurteile wirken im Hintergrund – und haben dennoch spürbare Folgen: Sie erschweren die Arbeit von Fachkräften, verzerren die Wahrnehmung von Kompetenz und können das Vertrauen zwischen Patient*innen und Behandelnden beeinträchtigen.

      Achtung: Unconscious Bias ist kein Zeichen von persönlicher Boshaftigkeit – sondern ein erlerntes, tief verankertes Denkmuster. Umso wichtiger ist es, dieses Denken zu hinterfragen: in der Ausbildung, in Teams, in der Sprache und im Umgang miteinander.

      Denn erst wenn wir unsere eigenen blinden Flecken erkennen, können wir eine faire, respektvolle und inklusive Gesundheitsversorgung gestalten – in der Kompetenz nicht vom Geschlecht, sondern von der Qualifikation abhängt.



      "stark, mutig - männlich?" - Wie Unconscious Bias Frauen aus MINT-Berufen drängt 

      Eine Frau in Feuerwehrmontur steigt aus dem Einsatzfahrzeug. Noch bevor sie ein Wort sagt, fragt ein Passant: „Sind Sie die Sanitäterin?“

      Solche Reaktionen sind kein Einzelfall. Sie zeigen, wie unbewusste Vorurteile (Unconscious Bias) wirken: Bestimmte Berufe – vor allem im technischen, handwerklichen oder naturwissenschaftlichen Bereich – werden automatisch mit Männern assoziiert. Stärke, Technik, Einsatzleitung? „Typisch männlich“ - Frauen in diesen Rollen werden daher häufig übersehen, unterschätzt oder falsch eingeordnet!

      Das betrifft nicht nur die Feuerwehr, sondern viele MINT-Berufe: Ingenieurinnen, Informatikerinnen, Technikerinnen oder Chemikerinnen erleben regelmäßig, dass ihnen ihre Kompetenz weniger zugetraut wird – nicht weil sie weniger leisten, sondern weil sie nicht dem gewohnten Bild entsprechen.

      Unconscious Bias entstehen durch gesellschaftliche Prägung, Medienbilder und Erziehung – und sie wirken, ohne dass wir es merken. Genau deshalb ist es so wichtig, sie bewusst zu machen: durch Aufklärung, Vorbilder und gezielte Förderung von Diversität in Ausbildung und Beruf.

      Wenn wir wollen, dass Mädchen sich zutrauen, Mathematikerin oder Feuerwehrfrau zu werden, müssen wir anfangen, unsere Bilder im Kopf zu verändern. Denn Talent kennt kein Geschlecht – aber unsere Erwartungen leider oft schon.


      Weiterführende Informationen: